Thor

 

4.11.13. Beginn der Morgendämmerung um 6.30 Uhr. Draußen sind es fünf Grad plus.Die Veränderungen der Jahreszeit, das kürzere Tageslicht und die wechselnden Temperaturen beeinflussen Gedanken und Gefühle, vertiefen Erinnerungen und ihre Bewertung. Dazu kommen die belebenden Elemente der Phantasie, die realen Eindrücke in der Stadt und andere, künstliche Welten, zum Beispiel im Kino.

 

Das alte Filmtheater am Goetheplatz. Der zweite Teil von "Thor" läuft bereits 5 Minuten. Aber der Zauber der galaktischen Welten wirkt heute nicht. Die archaische Urkraft der germanischen Mythologie zieht als bunter Bilderbogen vorbei, aber ohne philosophische und symbolische Tiefe. Trotz gewaltigen Aufwands in farbenprächtigen, dreidimensionalen Bildern wiederholen sich Ideen aus dem ersten Teil des Films und deren kleine Veränderungen. Die Bildschnitte sind oft zu schnell. Die Dialoge rauschen oberflächlich dahin. Dazu eine monumentale Musik, die aber auch durch Wiederholungen ihre Wirkung schwächt. Nach 45 Minuten reicht es.

Zeitungslektüre am Gärtnerplatz. An den Nebentisch setzen sich zwei Familien mit lauten Stimmen und breiten ihre Alltagserlebnisse aus. Im übrigen Lokal hört man nur gedämpfte Gespräche. Ich sage kurz, „Sie sind zu laut.“ Da lachen sie, gehen aber nach einer Weile fort. Übertriebenes Schweigen nutzt nichts. Zu viel Reden wird Geschwätz. Der Austausch von Gedanken hat viele Formen. Bilder. Worte. Symbole, wenn man sie deuten kann.