Oktoberfest

 

23.9.2013. Eine junge Kellnerin an der Leopoldstraße sagte mir am Samstag, dass sie am kommenden Wochenende ein neues Dirndl bekommt. Eigentlich hat sie das gar nicht nötig, weil sie auch in dezenten Farben gut und filmreif aussieht.

Samstag - das war der Beginn des Oktoberfests. In der Altstadt tauchen seitdem viele Lederhosen und Trachtenschürzen auf, die nicht mehr viel mit der traditionellen Kleidung der Gebirgsbauern zu tun haben, sondern in schrillen Schock- und Papageienfarben für Aufsehen sorgen sollen.

 

Die frühere, einladende  Atmosphäre tritt immer mehr  in den Hintergrund. Geschäftemacherei erreicht immer neue Rekorde. Und das hat Folgen.

 

Das begrenzte Platzangebot und die weltweite große Nachfrage erzeugen überteuerte Preise, auch Reservierungstickets im Internet, die gefälscht sind, dazu ab mittags ein tausendfaches Geschiebe und Gedränge, in dem die gemütliche Atmosphäre verdampft.

 

Stampfende, aufheizende Musik. Grölende Publikums-Chöre in den Bierzelten, riskanter Gruppentanz im Vollrausch auf den Holztischen, mit schweren Maßkrügen in der Hand, die auch als Wurfgeschosse taugen.

 

Die Abstumpfung steigert sich durch Wiederholungen. So ist es auch im restlichen Leben.

 

Im ruhigeren Alltag gibt es eine tägliche Fülle von Informationen, die Vergleiche auslösen mit ähnlichen Wahrnehmungen und deren Einstufung als sinnlos oder wertvoll.

Daraus ergeben sich Erfahrungswerte und Richtungsänderungen, die eine Überprüfung bisheriger Sichtweisen bewirken, Spannnungen dämpfen und eine innere Ausgeglichenheit verstärken, durch den Verzicht auf sinnlose Pläne oder die Abwendung von unerreichbaren Wünschen.

Alles Andere ist ist Zeit- und Kraftverschwendung, löst Krisen aus, Neid oder negative Aktivitäten statt Gelassenheit.

 

Letztlich entscheidend ist bei vielen Ereignissen, mit wem man unterwegs ist. Ein gemeinsamer Austausch über die unruhigen Bilder, später vielleicht ein Gespräch in einem stilleren Winkel - das verändert die Perspektive und fördert anregende Gedanken.