Kaffeehäuser im Herbst

2.10.2013. In Wien war es vor hundert Jahren üblich, dass arme Künstler ihr privates Wohnzimmer in die gemütlichen Kaffeehäuser verlegten, dort den ganzen Tag blieben, um sich von Tageszeitungen und Gleichgesinnten anregen zu lassen.

Diese Zeiten sind längst vorbei, weil jeder Geschäftsmann sehen muss, dass die Gäste ihm auch Einnahmen bringen und nicht nur vor seiner Nase herumsitzen.

Wenn Kälte und Nebel in den herbstlichen Straßen sich verstärken, verlagert sich Vieles nach Innen. In die Häuser, die Gedanken. Wirtshäuser fördern die Geselligkeit und den Gedankenaustausch auf gemeinsamen Fundamenten und Erinnerungen.

Wenn die Tage dunkler werden, wird die offene Bücherliste kürzer. Die Erinnerungen leuchten heller. Die Touristenmassen in den Straßen werden schwächer. Die Plätze draußen auf den Seeterrassen verschwinden. Die äußere Hektik mildert sich, und die inneren Welten öffnen ihre Tore auf blühende Gärten, schattige Wälder und glitzernde Flüsse.