Die Schatzberg-Alm

 

19.10.13. Samstag. Wir fahren Richtung Ammersee. Kräftiges Herbstlicht. Einige Bäume haben schon ihr ganzes Laub verloren. In der Nähe von Dießen brausen wir über kurvenreiche Landstraßen und zum Schluss über einen unbefestigten, holperigen Feldweg zur Schatzberg-Alm, weil der Name so märchenhaft klingt. Es ist ein einfaches Ausflugslokal, das einen Wintergarten mit großen Panoramafenstern hat.

 

Am Horizont glüht in geheimnisvollem Dunkelblau die langgezogene Alpenkette und vertieft eine archaische, urzeitliche Stimmung. Das ländlich deftige Mittagessen ist gut gewürzt. Die anregende Gesamtstimmung ergibt schwerelos einen leicht dahinfließenden Gedankenaustausch.

 

In Dießen halten wir nacheinander vor zwei schneeweißen Barockkirchen. In diesem kleinen Ort verbrachte der Komponist Carl Orff seine letzten Jahre und hat in der großen Klosterkirche auch seine weltberühmten „Carmina Burana“ selbst dirigiert. „Fortuna, Imperatrix Mundi.“ (Schicksal, Herrscherin der Welt)

 

Zum Kaffeetrinken geht es noch an den Wesslinger See, dessen dunkelblaue Oberfläche sich sanft kräuselt. Die Bootshäuser am anderen Ufer sind geschlossen. Die Außenterrasse des Cafés am Ufer ist bereits gut besetzt. Bei sechzehn Grad Außentemperatur nutzen die Ausflügler die letzten Tage, um draußen zu sitzen.

Einer der beiden Junior-Chefs schleppt persönlich die großen Tabletts mit Getränken und Kuchen, wobei der Pflaumenkuchen („Zwetschgendatschi“) besonders beliebt ist, auch bei den herumschwirrenden Wespen, die in ein paar Tagen in der Kälte verschwinden, bis ihr Nachwuchs wieder aus dem Winterschlaf erwacht.

Ein Tag ohne äußerliche Aufregungen oder Besonderheiten, der den Kopf frei hielt für Gedanken über Vergangenheit und Gegenwart, die beide auch Zeichen für die Zukunft enthalten.