Akkordeon

 

23.08.2013. Wenn Akkordeonspieler zu laut und zu schnell spielen, ist das Ergebnis unangenehm.

Gestern Nachmittag konnte man das Gegenteil bewundern. Ein alter Mann neben einer Pizzeria spielte dezent, aber gut vernehmbar alte Schlager, italienische Canzoni Napoletani, zuckende Tango-Ekstatik und Operettenmelodien.

 

Jeder konnte das nebenbei beim Essen hören. Doch von den anderen Tischen rührte sich nichts, weder Beifall noch Ablehnung. Es wurde konsumiert.

 

"Torna Surriento", die berühmte "Rückkehr nach Sorrent" spielte er so sehnsuchtsvoll, als wäre das seine Heimat.

Ich hab dann ein paar Münzen in seinen Sammelkorb gelegt. Der Kellner hat ihn gefragt, ob er einen Wein trinken will, und er hat genickt.

Dann haben wir miteinander angestoßen. Deutsch konnte er nicht, aber italienisch, und das reichte für ein kleines Geplauder.

Er war kein Gast aus dem Mezzogiorno, sondern ein Bulgare. Auf die Bitte, etwas aus einer Kalman-Operette zu spielen, setzte er sich hin und spielte Melodien aus der "Csardasfürstin".

 

Gut gespielte Musik bewegt das ganze Innenleben. Die Lautstärke des Tastenanschlags, die Zeitdauer der einzelnen Töne, die Geschwindigkeit und Innigkeit der Melodien ergeben einen Gesamtklang, den selbst professionelle Dirigenten  nicht unbedingt zustande bringen, so dass man vor Langeweile fast einschläft.

 

Der Klang ! Auch auf großen Kirchenorgeln, in der weiträumig hallenden Akustik einer Kathedrale, wirkt er direkt auf Psyche, Emotionen und Phantasie, die neue Ideen erzeugen.

 

Utopien. Visionen. Eine ganze Welt, die gar nicht existiert, aber inspiriert, die Realität zu verändern und zu gestalten.